Die geschenkte Stunde

Samstagvormittag, 30 Grad, schwülheiß. Meine Tochter und ich fahren in eine 20 Kilometer entfernte Ortschaft mit knapp 1000 Einwohnern zum Schwimmbad - laut Google-Suche öffnet es um 10:00 Uhr. Pünktlich da stehen wir - wie einige andere junge Familien - vor einem verschlossenen Eingangstor. Die „richtige“ Öffnungszeit ist erst 11:00 Uhr steht auf einem Zettel am Fenster. Im ersten Moment ärgere ich mich über mich selbst. Ich hätte vielleicht besser auf der Internetseite des Freibades schauen sollen… Nach Hause fahren will ich nicht. Meine Tochter möchte ja unbedingt in dieses Freibad und freute sich schon den ganzen Tag auf den Besuch. Also: Das Beste auf der Situation machen. Die verlorene Stunde müssen wir irgendwie füllen, denke ich. Meine Tochter und ich stapfen Hand in Hand los, durch den Ort, entdecken nach wenigen Minuten Suche einen wundervollen Spielplatz und spielen dort eine gute halbe Stunde, wir ziehen weiter und betrachten ein verlassenes riesiges Haus, zu dem ich mir eine Geschichte ausdenke. Dann ziehen wir weiter zur Kirche und entdecken dort so Vieles im Kleinen: Käfer, Ameisen, Asseln, Schmetterlinge und Vögel. In unseren Badesachen sitzend im Schatten des Kirchturms bei 30 Grad steht plötzlich die Zeit, ich lächle und beobachte ganz im Hier und Jetzt versunken meine Tochter, den Kirchplatz, die Tiere, ich atme tief ein und fühle mich so lebendig und eins mit dem Moment.

Danke für diese verlorene Stunde.

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